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| Lichtenstein / Sa. - Ein Historischer Stadtrundgang. |
| Der Verein für Geschichte der Stadt Lichtenstein/Sa. e.V. lädt Sie zu einem Rundgang ein. |
Ausgangspunkt
ist der Altmarkt Lichtensteins. Bei einem ersten Rundblick sieht man der
Stadt ihr Alter von fast 800 Jahren nicht an. Schuld daran sind wohl die
vielen Brände in den vergangenen Jahrhunderten und die Einwirkungen des
30-jährigen Krieges. Der Blick richtet sich zunächst auf das Wahrzeichen
der Stadt, das hoch aufragende Schloss Lichtenstein. Im Jahr 1212 wird
dieses als "Castrum Lichtenstein" erstmalig urkundlich erwähnt.
Im Schutze der damals existierenden Burg siedelten sich unterhalb des
Burgberges Ackerbauern und Handwerker an. Diese Ansiedlung von stroh- und
schindelgedeckten Lehmhütten erhielt den Namen Lichtenstein. Der Ort wird
1446 nachweislich erstmals als "Stadt" bezeichnet. Begünstigt
wurde die Stadtentwicklung durch ihre Lage an der alten Heer- und
Handelsstraße von Nürnberg nach Dresden, deren Verlauf
durch die Stadt sich im Laufe der Jahrhunderte mehrfach veränderte.![]() Der Altmarkt ist der zweitälteste Marktplatz der Stadt, auf dem sich früher ein Teich zu Feuerlöschzwecken befand. Der Platz selbst war zu dieser Zeit mit Gras bewachsen. Auf der linken Seite der Ernst-Thälmann-Straße steht eines der alten Rathäuser. Dieses Fachwerkhaus, leicht erkennbar durch sein Türmchen, war von 1626 - 1771 Rathaus. Parterre war die Amtsstube und im Obergeschoss der Ratssaal. |
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Biegt man links in das "Marktgässchen" ein, das vermutlich der
Weg zum Altmarkt ab 1600 war, gelangt man wieder auf die
Ernst-Thälmann-Straße. Verfolgt wird der Straßenverlauf bergab. Nach
wenigen Schritten steht man vor der "Mohrenapotheke", die sich
seit 1858 hier befindet. Dieses Haus ist das älteste noch erhaltene
Gebäude der Stadt. Es wurde 1605 errichtet; der letzte Umbau erfolgte
1993. Bis 1858 war hier die kursächsische und später die
königlich-sächsische Post untergebracht. Die Apotheke, seit 1652
nachweisbar, befand sich vorher im schräg gegenüberliegenden Gebäude
Ernst-Thälmann-Straße 10. |
Der
Weg führt weiter bis zur Schlossgasse. Hier fällt eine Baulücke auf,
die als Parkplatz genutzt wird. An dieser Stelle stand der "Untere
Gasthof", besser bekannt unter dem Namen "Weißes Roß".
Urkundlich wurde dieser Gasthof bereits im Jahre 1590 erwähnt. 1962 wurde
er infolge der Straßenverbreiterung abgerissen. Die gegenüberliegende
Gasse ist die Badergasse. Wie aus dem Namen zu erkennen, hatten sich hier
die Betreiber öffentlicher Badestuben niedergelassen, die sich neben
ihrer Arbeit als Barbiere auch auf das Zähneziehen und Aderlassen
verstanden. Am Ende der Gasse stand auf der rechten Seite am Rödlitzbach
eine Mühle, die "Mittelmühle". In dieser Richtung
weitergegangen, erreicht man auch auf diesem Weg den Stadtpark von der
Rödlitzer Straße aus. Das markante Gebäude des
"Parkschlösschens" weißt den Weg (Fußweg von 10 Minuten). |
Zurück
zum Standort an der Ernst-Thälmann-Straße. Der Weg führt weiterhin
bergab zur Straßenkreuzung der beiden Hauptverkehrsstraßen. Hier wurde
der Rödlitzbach überbrückt und deshalb "Große Brücke"
genannt, obwohl dieser Name nirgends verzeichnet ist. Bis 1826 war der
Rödlitzbach an dieser Stelle offen und alle Fuhrwerke mussten durch das
Wasser fahren. Für die Fußgänger gab es einen Steg. Ein Blick auf das
Eckhaus an der linken Straßenseite lässt auf dem Dach eine allegorische
Engelsfigur mit Fanfare erkennen. Nach der Kreuzung in Richtung Zwickau
stand das Hotel "Goldner Helm". Dieses wurde 1802 an der Stelle
der Garküche errichtet. |
Gegenüber dem "Haus der Einheit", wie selbiges Hotel von 1950
bis zu seinem Abriss 1994 hieß, stand das Steuereinnehmerhaus und ein
weiteres Stadttor. Lichtenstein hatte nie, wie andere mittelalterliche
Städte, eine steinerne Stadtmauer. Die Stadt war jedoch durch vier
Stadttore (Schlagbaum) gesichert und in den schlimmsten Pestzeiten von
einer Palisade umgeben. An der Kreuzung rechts gelangt man in die
Brückenstraße. Hier fällt sofort ein sehenswerter dreieckiger Erker am
Haus Nr. 2 auf, der von einem "Zahnschmerzteufel" gestützt
wird, welcher mit einer Brustleier in einem Zahn bohrt. Ein Hinweis
dafür, dass in diesem Haus ein Zahnarzt praktizierte. Den Abschluss der
Brückenstraße bildet das "Clubkino". Dieses Lichtspieltheater
gibt es schon seit den 20er Jahren und nannte sich
"Edison-Salon", später "Capitol". 1986 wurde es zu
einem modernen Clubkino umgebaut. Vom Kino aus blickt man in die
Glauchauer Straße, wo ein weiteres Stadttor stand. |
Weiter geht der Weg entlang des Rödlitzbaches
bis zum Bürohaus Bachgasse 2. Dieses modern umgebaute Gebäude war bis
1990 eine Strickerei. Von hier aus wendet man sich nach rechts.
Durch die neu geschaffene Passage gelangt man zur Topfmarktgasse. Auch
diese Gasse gehört zu den ältesten der Stadt, ebenso die parallele,
schon am Fuße des Schlossberges vorlaufende Gasse "Am
Schlossberg". Nur einige wenige Gebäude und die Bergkeller am
Schlossberg zeugen von vergangenen Zeiten. Der Weg führt weiter zum
"Topfmarkt". Dieser Platz ist der älteste Marktplatz der Stadt.
An ihn grenzt der Schlossberg. Dieser steile Berg musste bis 1600 von den
Handelsleuten mit ihren Fuhrwerken befahren werden, wenn sie in Richtung
Chemnitz wollten. Rechts vor dem Schlossberg befand sich ein
herrschaftliches Vorwerk, das Vorspannpferde bereitstellte, um den Berg zu
bezwingen. Natürlich achteten die Handelsleute darauf, dass die Fuhrwerke
in Ordnung und die Ladung fest vertäut war, denn heruntergefallene Waren
gehörten dem Gebietsherrn. Ebenso die ganze Ladung, wenn ein Rad
gebrochen war und die Achse den Boden berührte. |
Auch hier vor dem Schlossberg war noch ein Stadttor aus Holz. Langsam geht
es nun den Schlossberg hinauf. Auf halber Höhe lädt eine Bank zur Rast
und der Blick kann ungehindert auf die Unterstadt gerichtet werden. Man
erkennt dabei die aufragende Esse der ehemaligen Strumpffabrik Bahner,
recht daneben fällt das Gebäude der Diesterwegschule ins Auge.
Auffallend ist auch das rote Backsteingebäude des ehemaligen
königlich-sächsischen Amtsgerichts, das heute die Stadtbibliothek
beherbergt. Im Hintergrund ist die Ernst-Schneller-Siedlung mit den
Stadtwerken erkennbar. Bei einem Blick nach links hebt sich die
Lutherkirche hervor. Nach dieser kurzen Rast geht es weiter bergauf zum
Schloss. Das Schloss weist eine wechselvolle Geschichte in den fast 800
Jahren seiner Existenz auf. Als Burganlage, wahrscheinlich noch vor 1212
errichtet, wurde es dreimal zerstört, letztmalig 1632. Als Ruine stand es
bis nach dem Westfälischen Frieden und wurde 1648 als Wohnschloss im
Renaissancestil neu wieder aufgebaut. Von 1215 bis 1945 war die Burg bzw.
das Schloss im Besitz der Schönburger. Von der ersten Burganlage zeugen
heute noch der Wallgraben, die Folterkammer, der Hungerturm und die in das
Rotliegende hineingetriebenen Gänge mit zahlreichen Nischen unmittelbar
unter dem Schloss. |
Durch den Um- und Ausbau von 1837 bis 1839 nahm das Schloss seine heutige
Gestalt an. An das Fürstengeschlecht der Schönburger erinnert die unter
dem Schloss befindliche Fürstengruft. In ihr wurden 20 Mitglieder des
1790 in den Reichsfürstenstand erhobenen Hauses Schönburg in den Jahren
1800 bis 1936 beigesetzt. Die Familie der Schönburger bewohnte das
Schloss bis Kriegsende 1945. Von 1949 bis Februar 2000 gehörte das
Schloss dem Bistum Meißen, das darin das Altersheim "St.
Elisabeth" untergebracht hatte. Seither ist das Schloss wieder im
Besitz der Schönburger. Vom Schloss aus kann man entweder über die
Schlossstufen zurück zur Ernst-Thälmann-Straße und dem Altmarkt gelangen
oder die Einladung zum weiteren Rundgang annehmen und den Weg auf der
Schlossallee fortsetzen. |
Schon nach wenigen Schritten steht man vor dem Palais. Es wurde 1848 erbaut
und diente bis 1889 als Justizamt. Im Hof des Palais wurden auch
Hinrichtungen durchgeführt. Die letzte Hinrichtung fand 1859 statt. Vom
Hof des Palais aus öffnet sich der Blick auf den neu angelegten barocken
Palaisgarten mit attraktiver Bepflanzung. Seit Juni 2001 ist im
Palais-Komplex das "Weltweit Erste Zentrum für Internationale
Holzbildhauerkunst - das Daetz-Centrum Lichtenstein" als multifunktionale
Kultur- und Begegnungsstätte untergebracht. Daran anschließend sind
Kleingartenanlagen und das Gelände des Gewerbegebietes "Am Auersberg"
zu erkennen. An das Areal des Palais schließt sich rechts der neu
gestaltete "Englische Garten" an, der zum Verweilen und zum
Spaziergang in Richtung Käpplerschlucht einlädt. |
In dieser Schlucht befindet sich die über 500 Jahre alte "Käpplereiche",
die zu den ältesten Bäumen Sachsens zählt. Gegenüber dem Palais
erinnert ein Gedenkstein an die Erbprinzessin Lucie von
Schönburg-Waldenburg, die 1895 in Lichtenstein eine "Kleinkinder-
Bewahranstalt" (Kindergarten) gründete. Der Weg führt nun weiter
die Schlossallee entlang. Rechts befindet sich das Schwesternhaus des
Caritasheimes. Die Schlossallee mündet in die Ernst-Thälmann-Straße. Dort erblickt man
auf der gegenüberliegenden Straßenseite den bereits erwähnten aus
Rochlitzer Porphyrtuff gefertigten Kleist-Gedenkstein. Anschließend
beginnt die so genannte "Schwarze Allee", wo bis 1940 die
"Napoleonbuche" stand. Unter diesem Jahrhunderte alten Baum soll
Napoleon nach der Schlacht bei Jena und Auerstädt gerastet haben, als er
den Chemnitzer Berg mit seinen Wagen erklommen hatte. Urkundlich belegt
kann dies jedoch nicht werden. Vor dem steilen Abstieg über den
Chemnitzer Berg zum Teichplatz kann der Blick nochmals auf der Stadt
weilen und in der Ferne den Friedhof "St. Laurentius"
wahrnehmen, der sich an den Stadtwald anschmiegt. Nach Erreichen des
Teichplatzes geht es wieder bergab, zu unserem
Ausgangspunkt des Rundganges, dem Altmarkt. |